Vanille Marktbericht Herbst 2015

Im Herbst jeden Jahres steht die neue Vanille Ernte zur Verfügung. Nach dem mehrmonatigen Verarbeitungsprozess, der nach der Ernte im Juli beginnt, hat die Vanille im Oktober / November ihr Aroma voll entwickelt und ist beim Exporteur nach Qualitäten und Längen sortiert und nachgetrocknet worden.

Es ist die Zeit, in der die Exporteure ihre Ware am Weltmarkt anbieten und man ein Gefühl für die Qualitäten und Preise der nächsten Saison bekommt. Zeit also für einen Bericht zur aktuellen Lage. Denn so viel sei vorweggenommen: Die Lage am Vanille Markt ist sehr angespannt.

 

Grüne Vanille Schoten auf Madagaskar
Grüne Vanille Schoten auf Madagaskar

 

Hier ist ein Überblick über die aktuelle Situation in den verschiedenen Anbaugebieten:

 

Madagaskar

Die Ernte auf Madagaskar ist dieses Jahr extrem gering ausgefallen: nur ca. 1.300 Tonnen bei über 2.000 Tonnen Bedarf weltweit. Da über 70% der Vanille Ernte weltweit aus Madagaskar stammt, hat das starke Auswirkungen auf den Preis. Wir erwarten, dass die Preise am Ursprung weiter steigen werden.

Dazu muss man die Historie verstehen: Die Qualität der Ernte 2013 war nicht sehr gut. Viele Einkäufer haben sich zurückgehalten oder Depots älterer Ernten angezapft. Die Nachfrage nach der 2014er Ernte war entsprechend hoch – die Preise für Gourmet Qualität Vanille stiegen bereits letztes Jahr um mehr als 20%. Die weltweite Nachfrage hat sich seitdem jedoch nicht verringert.

Oktober/November der Zeitraum, in dem die Exporteure ihre Lots an Vanille auf dem Markt anbieten – bis jetzt ist allerdings noch nicht bekannt, zu welchem Preis die Exporteure ihre Lots anbieten werden.

Hinzu kommt, dass die Ernte 2016 vermutlich nicht viel höher ausfallen wird. Das zeigte die geringe Zahl der Blüten im September. Der Preisdruck bleibt also weiterhin bestehen.

 

Vanille Schoten trocknen 10-14 Tage in der Sonne
Vanille Schoten trocknen 10-14 Tage in der Sonne

 

Tahiti

Die Ernte der wunderschön blumig duftenden Tahiti Vanille ist  dieses Jahr aufgrund schlechten Wetters sehr gering ausgefallen. Vor einigen Jahren noch betrug die Ernte auf Tahiti 50 Tonnen, dieses Jahr werden es vermutlich nur 10 bis 12 Tonnen sein. Die Vanilla Tahitensis ist eine andere Vanille Sorte als die typische Vanilla Planifolia und wird nur in wenigen Regionen angebaut. Da die Nachfrage weiterhin stark ist und es für diese Sorte wenig Alternativen gibt, werden die wenigen Tonnen voraussichtlich von der Industrie aufgekauft werden. Unser Lager ist fast leer und wir rechnen nicht damit, im kommenden Jahr Tahiti Vanille anbieten zu können.

 

Mexiko

Seit diesem Jahr verkaufen wir auch Vanille aus Mexiko. Im Prinzip ist es dieselbe Pflanze wie die Vanille aus Madagaskar, allerdings hat die Mexiko Vanille ein feineres, leicht schokoladiges Aroma. Die Vanille Ernte in Mexiko ist in der Regel sehr gering. Es werden lediglich 10 Tonnen erwartet. Die Preise werden im Vergleich zur Bourbon Vanille also weiterhin hoch bleiben.

 

Indonesien, Uganda, Indien, Papua Neu Guinea

Die Ernten aus diesen Regionen fallen vergleichsweise gering aus, je nach Region nur bis zu 100 Tonnen – und das bei sehr unterschiedlichen Qualitäten. Das kann den Bedarf der Industrie teilweise abdecken, für den Bereich der schwarzen Gourmet Vanille gibt es hier wenig Hoffnung auf größere Mengen.

Mit den steigenden Preisen werden vermutlich viele Bauern in diesen Ländern wieder anfangen, die sehr arbeitsintensive Pflanze anzubauen. Insofern rechnen wir in den kommenden Jahren mit mehr Ernte aus diesen Regionen.

 

Vanille Schoten beim Exporteur auf Madagaskar
Vanille Schoten beim Exporteur auf Madagaskar

 

Fazit: die Preise für Vanille bleiben auf königlichem Niveau.

Die Nachfrage nach Vanille ist nach wie vor sehr hoch, der Markt sehr angespannt. Vor vielen Jahren hätte eine Ernte von 1.300 Tonnen auf Madagaskar den Weltbedarf locker abgedeckt. Heutzutage achten immer mehr Unternehmen darauf, natürliche Zutaten zu verwenden. Das kurbelt auch die Nachfrage für Vanille an.

Im langfristigen Vergleich sind die aktuellen Preise jedoch nicht sehr hoch. Die Preise der Jahre 2006 bis 2013 waren einfach sehr niedrig. Davor hat Vanille ähnlich viel wie heutzutage gekostet. Dennoch werden wir die aktuellen Preissteigerungen nur sehr vorsichtig und nicht in vollem Maße an unsere Kunden weitergeben.

 

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Wie Vanilleblüten bestäubt werden.

 

Vanille ist ein sehr arbeitsintensives Gewürz. Der Anbau auf Madagaskar beinhaltet sehr viele manuelle Schritte, im Prinzip lässt sich keiner davon automatisieren.

Die Vanille stammt ursprünglich aus Mexico, wo die wunderschönen Blüten dieser Orchideenart von Insekten bestäubt werden. Als die Vanille von den Franzosen nach Reunión und Madagaskar gebracht wurde, stellte man schnell fest, dass es dort keine Insekten gibt, die die Blüten bestäuben können. Auch ein Ansiedeln der mexikanischen Insekten war nicht möglich.

Somit werden die Blüten, die nur einen Tag pro Jahr blühen, von den Bauern mit der Hand bestäubt, eine nach der anderen. Und das sieht so aus:

 

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